Hilflosigkeit nach dem Studium

Orientierungslosigkeit nach dem Studium ist kein Einzelfall – so geht es vielen Bewerbern.

Das Ziel ist erreicht. Zehn Semester Studium haben ein Ende. Der Titel „Bachelor“ oder „Master of Science der Agrarwissenschaften“ ist in der Tasche. Unternehmen werben mit attraktiven Stellen. Die ganze Welt steht einem offen. Was aber, wenn Studium, diverse Jobmessen und Praktika – insgesamt fünf Jahre Persönlichkeits- und Wissensformung am Ende nicht geholfen haben, wenn es darum geht den Traumberuf zu finden?

Was kann ich? Wer bin ich? Wo möchte ich arbeiten?

Seid beruhigt: Damit seid ihr nicht allein– wenn wir den Typ Karrierist jetzt mal außer Acht lassen. Diese Kategorie hat den Arbeitsvertrag schon vor Studium Ende unterschrieben. Er weiß genau, was er will und was er kann. Legt dementsprechend auch in Windeseile eine steile Karriere an den Start und schafft es so alle noch unwissenden Karrierestarter in persönlichen Stress zu versetzen.

Aber wo liegt denn nun das Problem aller anderen? Viele Unternehmen benutzen eigene Kreationen an Jobbeschreibungen. So wird dann ein Operations Manager für den Internationalen Handel, ein Digital Marketing Manager oder ein Regulatory Affairs Manager ausgeschrieben. Im Studium werden Berufsbezeichnungen oder Joboptionen jedoch weder besprochen noch haben sie sonst eine Relevanz. Sehr verehrte Dekane aller Agraruniversitäten und Fachhochschulen: Wie wäre es also mal mit einem Wahlfach: Vertrieb? Marketing oder Produktmanagement? Theoretisches und Praktisches Wissen gäbe es da doch mit Sicherheit genug für ein Semester?! Orientierung schaffen natürlich auch Praktika während des Studiums. So könnt ihr euch frühzeitig in die Berufswelt reintasten und erkennen, welcher Job euch liegt und welcher eher weniger.

Oft fehlt Bewerbern die persönliche Einschätzung der eigenen Interessen und Fähigkeiten. Zu wissen, was man kann, schafft Selbstbewusstsein im Vorstellungsgespräch.

Persönliche Stärken und Schwächen

Neben kryptischen Jobbezeichnungen fehlt zudem oft die persönliche Einschätzung der Bewerber, in Bezug auf die eigenen Interessen und Fähigkeiten. Wie schnell man von sich behauptet, dass man sich selbst am besten kennt- Aber ist das wirklich so?
Weiß ich am besten, was ich für ein Jobtyp bin? Oder hilft vielleicht auch hier der unverstellte Blick von Außen? Vielleicht also einfach mal Eltern, Freunde oder Mitbewohner befragen: Was sind meine Stärken? Wie sehen meine Schwächen aus? Wovon sollte ich also unbedingt die Finger lassen? Bin ich ein eher geselliger Typ oder arbeite ich effizienter und erfolgreicher alleine?
Spätestens im ersten Jobinterview muss man auf diese Fragen eh eine Antwort haben. Und dies steht fest: Hier gibt es keine FALSCHEN oder RICHTIGEN Antworten. Denn in einem Unternehmen bedarf es sowohl dem starken Frontmann als aber auch dem stetigen und stets präzisen ruhigen Gesellen. Der Personaler, der dies Wissen will, ist lediglich gewillt, euch an der richtigen Position im Unternehmen einzusetzen. Weil nur dann eine Stellenbesetzung erfolgreich ist und beide Seiten profitieren können..

Zeit zum Reisen- Soft Skills sammeln

Aber nicht alle müssen oder wollen direkt nach dem Studium direkt ins Berufsleben einsteigen. Für viele kann ein Auslandsaufenthalt nochmal eine willkommene Möglichkeit sein, den Druck des Karrierestarts aufzuschieben. Eigene Persönlichkeitsforschung betreiben, Fremdsprachen polieren und interkulturelle Erfahrungen sammeln. Praxisluft wird weltweit geschnuppert.

Traineeprogramme können oftmals ein Sprungbrett für die Karriere sein.

Trainee-Programme als Sprungbrett

Für diejenigen, die trotz Praktika, Persönlichkeitsanalyse oder Auslandsaufenthalte noch unschlüssig sind, welcher Job zu ihnen passt; für die bieten vor allem größere Unternehmen Trainee Programme. Hier durchläuft man diverse Positionen und Bereiche. Man hat die Möglichkeit viele Abteilungen kennenzulernen oder gezielt in eine Position eingearbeitet zu werden, um am Ende eine klarere Einschätzung für einen ersten Einstieg geben zu können.